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My Everyday Life Leading The Companie TeKi TeKua

Foto: Helen Ree

My everyday life leading the Companie TeKi TeKua

„Hättest du Lust einen Text über das leiten einer Companie zu schreiben…?“ so Sandro Minasi’s Worte. „Ja klar. Das mache ich gerne!“ Aber: Wo soll ich beginnen? Was ist relevant? Fest steht; dies ist kein Text über die Tätigkeit als Leiterin einer Companie. Dies ist ein Text über das Leben in, mit und durch TeKi TeKua.

TeKi TeKua prägt seit über 10 Jahren meinen Alltag, beeinflusst meine Entscheidungen, inspiriert mich und fordert mich heraus. Nebst meiner Tätigkeit als freischaffende Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin, leite ich die Companie in Zürich sowie seit Ende 2016 unsere Nachwuchscompanie TeKi TeKua JuniorZüri.

So wie jeder Mensch einzigartig ist, jede Crew, jede Community, jede Szene, so haben auch wir bei „TeKi TeKua“ unsere eigenen Wege gefunden, uns als Companie in der freien Tanzszene zu organisieren und positionieren. Es wäre demzufolge nicht weniger spannend und die Antwort würde mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder komplett anders ausfallen, wenn man dieselbe Frage einer anderen Künstlerischen Leitung aus der freien Szene stellen würde.

Aber: Wie bin ich überhaupt zu dem gekommen und wie ist TeKi TeKua zu dem geworden wofür der Name heute steht?

Biel und ArtéDanse

2006 gab es in Biel/Bienne eine 2-jährige Ausbildung bei „ArtéDanse“ die von Pascale Grossenbacher ins Leben gerufen wurde und mit dem Titel „Pédagogue de danse et gestionnaire artistique“ abgeschlossen wurde. Am Info-Abend fiel mir eine Person unter den Interessentinnen besonders auf. Ich dachte: „Die will ich kennenlernen, ich will wissen was sie macht und wie sie ist!“ Nach bestandenen Vortanzen, waren wir in derselben Klasse – diese Lea und ich, wir beide, die von Kindheit an fleissig trainiert und getanzt haben, jedoch abgesehen davon eigentlich keinen Plan hatten und ziemlich grün hinter den Ohren waren. Pascale war sowohl unsere Mentorin als auch die Schulleiterin. Sie stellte Lea und mich nach einem Jahr als Tanzpädagoginnen bei ArtéDanse für diverse Hobby Klassen an.

Aus einem anfänglich professionellen Verhältnis entstand eine enge Freundschaft. Zu diesem Zeitpunkt machten wir fast alles zu dritt; trainieren, proben, planen, organisieren, tanzen, kochen, reisen… manchmal schliefen wir sogar in der Schule, weil wir bis spät trainierten, Musik zusammensuchten und Konzepte erstellten. Wir gingen an zahlreiche Events und Festivals in der ganzen Schweiz, tanzten in den Strassen und auf den Plätzen von Zürich und Barcelona und gingen oft nach Paris. Dort schauten wir uns alles was mit Tanz zu tun hat an – von Events wie dem Juste Debout bis zum hin zum Festival im Parc de la Villette. Oft hatten wir Mühe, uns für einen Event, ein Stück oder ein Festival zu entscheiden, denn uns interessierten sowohl die Zeitgenössischen Stücke als auch die verschiedenen Battles und Workshops im Urbanen Bereich.

Bei den Tanzstilen war es natürlich nicht anders. Wir trainierten alles – von House über Hip Hop, Ragga Dancehall, Popping, Locking, Top Rock über die verschiedenen Techniken im Modernen und Zeitgenössischen Tanz wie Graham, Limòn, Floorwork, Gaga bis hin zum Besuch von Theaterklassen.

Irgendwann entstand der Wunsch, selber Shows und Stücke zu kreieren… ab diesem Moment wurde uns klar: wir brauchen eine eigene Sprache. Eine, die zu uns passt, die wiederspiegelt wer wir sind. Unseren Background zusammenfasst und weder die Urbane noch die Zeitgenössische Szene repräsentiert. Aber auch eine, die weder die Urbane noch die Zeitgenössische Tanzsprache ausschliesst.

So entstand TeKi TeKua. Aus diversen Fragen, die wir uns stellten wie: wer sind wir? Was macht mich, dich, uns aus? Tu es qui? Tu es quoi? Daraus resultierte der Name in französischen Slang geschrieben: TeKi TeKua.

Die Suche nach der Identität

Die kommenden Jahre waren hart. Wir passten nirgends hin. Je nach Event war unsere Arbeit zu „kommerziell“ oder nicht „real“ genug. Zeitgenössisch Urban – was ist das, wer braucht das, weshalb? Die grösste Herausforderung war, Tänzerinnen zu finden, die eine Offenheit und ein Interesse für unterschiedliche Bewegungssprachen mitbrachten, jedoch bereits eine gewisse Basis im Urbanen und/oder Zeitgenössischen Tanz hatten. Tänzerinnen wie Malika, Letizia, Branca, Prisca und Michèle (a.k.a. Paleta CalmQuality) trugen wesentlich dazu bei, dass TeKi TeKua heute für einen gewissen Stil steht. Es sind Jahre des Recherchierens, Ausprobierens, grosse und kleine Erfolge aber auch diverse Rückschläge – sowohl privat wie auch tänzerisch durch Unfälle und Verletzungen.

Die Compagnie wächst

Nach intensiven Jahren in Biel, entscheide ich mich, wieder vermehrt in Zürich zu trainieren. Ich beginne meine Flexi-Ausbildung an der Zürcher-Tanz-Theater-Schule – da ich ein tägliches, begleitetes Training will – unterrichte in Biel und in Zürich und kreiere diverse Shows und Stücke in Zusammenarbeit mit Lea TeKi TeKua.

Unsere ursprünglichen Nachnamen haben alle Tänzerinnen bewusst in den „Künstler-Nachnamen“ TeKi TeKua auf diversen Sozialen Medien umbenannt. Der Name dient als Wiedererkennungswert, Referenz ist aber auch eine Art Hommage an einen Usus bei Crews, die so ihren Zusammenhalt signalisieren.

Stichwort Zusammenhalt; in dieser Zeit wächst TeKi TeKua: unsere NachwuchsCompanies TeKi TeKua Junior und Mini werden in Biel unter der Leitung von Lea gegründet. 2012 führen wir unsere erste Audition in Zürich durch. Die Erwachsene Profi-Companie zählt zwischen 2012 und 2014 8 Tänzerinnen: Branca, Michèle, Prisca, Silvana, Halina, Patricia, Lea und ich. Das Team verändert sich in den kommenden Jahren durch Ab- sowie Neuzugänge. Aktuell sind folgende TeKi’s als Tänzerinnen in der Companie engagiert: Silvana, Halina, Patricia, Jasmin, Tamara, Lena und Nadine. Die Zusammenarbeit sowie der Zusammenhalt wird durch die Grundhaltung „Eine für Alle, Alle für Eine“ geprägt. Simpel, jedoch enorm wichtig für
unser Funktionieren innerhalb der Gruppe.

„Es geht um den Tanz als Kunstform“

Neue Strukturen

Seit 2015 ist die Leitung in zwei Bereiche aufgeteilt: Lea ist für den Nachwuchs in Biel verantwortlich, arbeitet hauptsächlich dort und kümmert sich um die Mikro, Mini und Junior TeKi’s, Total 32 junge Tänzerinnen zwischen 6 bis 21 Jahren. Ich arbeite mehrheitlich in Zürich mit der Companie sowie den 7 jungen Tänzerinnen von TeKi TeKua JuniorZüri.

Nun zu meinem „daily business“. Was genau gehört zu meinen Aufgaben bei TeKi TeKua? Nebst sehr viel Administration gibt es natürlich auch spannendere Bereiche. Ich versuche zusammenzufassen und stichwortartig aufzulisten.

Aufgaben innerhalb des Teams:

  • Teamführung, Coachings, durchführen von jährlichen bilateralen Standortgesprächen, regelmässige Feedbacks & Austausch mit den Tänzerinnen, Information & Koordination
  • Delegieren von Aufgaben sowie definieren von Projektverantwortlichkeiten (in Absprache mit den Tänzerinnen)
  • Jahresplanung, Ziele und Schwerpunkte definieren
  • Feedbacks und Inputs bezüglich laufenden Projekten und Austausch mit den Projektverantwortlichen
  • Probleme erkennen und Lösungsvorschläge erarbeiten
  • Organisation und Konzept für TeKi Shootings (Film und Foto)
  • Organisation und Konzept für TeKi Events (Audition, interne Workshops etc.)
  • Weiterentwicklung der „TeKi TeKouture“ – dem Kleiderlabel von TeKi TeKua – in Zusammenarbeit mit Textildesignerin Sara Bosier
  • Vision und Leitbild innerhalb des Teams vermitteln

Aufgaben ausserhalb des Teams:

  • Vernetzungsarbeit in der Tanzszene
  • Korrespondenz mit Kunden / Offerten erstellen / Organisation vor Ort
  • Verhandlungen, Verträge und Budgets
  • Kommunikation & Werbung
  • Finanzielles (Kontoverwaltung, Geldtransfer, Buchhaltung)
  • Internetauftritt (Website, Facebook etc….) in Zusammenarbeit mit Jasmin & Tamara
  • Corporate Identity (Logo, Visitenkarten, Briefpapier, Kleiderdruck)
  • Vermittlung von Tänzerinnen für Workshops
  • Tänzerinnen Einteilung für diverse Bookings
  • Austausch mit Künstlern aus anderen Kunstsparten
  • Extrem viel Recherchearbeit in den Bereichen: Tanz(stile), Musik, Kostüme, Styling, gesellschaftliche Entwicklungen und Tendenzen
  • Scouting; neue potentielle Tänzerinnen entdecken

Natürlich mache nicht nur ich viel für und mit der Companie. Jeder TeKi hat nebst den Proben und dem täglichen individuellen Training Verantwortlichkeiten und Aufgaben, die sie im Austausch mit mir selbständig durchführt wie zum Beispiel folgende:

  • Choreografieren (alleine oder zusammen mit den TeKi’s)
  • Filmen und archivieren von Choreo-Material
  • Werbung auf Social Media
  • Projektleitung
  • Planung und Organisation von Workshops in Absprache mit Eleonora
  • Probepläne erstellen
  • Vorbereiten und durchführen von Warm-ups sowie Probeleitung bestimmen

Tanz und Nebenjobs

Bei diesem Arbeitspensum sowie der Verantwortung, könnt ihr euch vorstellen, dass die Motivation aus einer – naja, wie soll man das nennen – tieferen Überzeugung kommen muss. Denn finanzieller Natur ist sie sicherlich nicht. Niemand kann von TeKi TeKua leben. Noch nicht? Ich träume – wie so viele freischaffende Künstler – gerne in diese Richtung… die künstlerische Freiheit ohne finanziellen Druck zu haben, ohne Nebenjob, der Zeit und Energie raubt. Ohne die zahlreichen Nachtschichten hinter einem Bartresen, in Restaurants, als Verkäuferin, Putzfrau, an der Garderobe, bei Promotionsjobs oder sonst weiss ich was ich alles bereits gemacht habe.

Mittlerweile haben auch meine Nebenjobs mit Administration im Tanz oder im Bereich der Bewegung zu tun. Respektive habe ich das Glück, mich auch dort in einem künstlerischen und angenehmen Umfeld bewegen zu können. Sei es bei meiner Arbeit für die „Tanz Akademie Zürich“ an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) oder am Empfang von „AirYoga“ – einem Yoga Studio im Kreis 5.

Vom Ich zum Wir

Während und nach meinen Tanzausbildungen stand das Tanzen klar im Vordergrund, das tägliche Training, die Herausforderungen auf der Bühne, die Engagements, die Workshops, die Events und, und, und…

Irgendwann änderte sich der Fokus, bei dem es nur um die eigene Person, die eigene Motivation ging. Ich bin Teil eines Ganzen geworden, einer Community, einer Bewegung…. es geht nicht mehr nur um meine eigenen Ziele, um den Spass und die persönlichen Erfolge. Nicht jede Aufgabe ist motivierend, nicht jedes Projekt endet zufriedenstellend und oft muss ich meine Ansprüche der „gemeinen“ Realität anpassen.

Es geht um den Tanz als Kunstform…. in Zürich, in der Schweiz, in der „restlichen, normalen“ Gesellschaft. Um Fragen wie: was macht Tanz aus? Was kann Tanz (bewegen)? Ab wann ist Tanz Kunst und braucht es Tanz überhaupt noch? Was kann ich, was können wir mit TeKi TeKua dazu beitragen? Wen können wir erreichen und wie? Inspirieren wir? Motivieren wir? Können wir Leute durch unsere Arbeit berühren, zum Denken anregen?

Hürden, Potential und „etwas bewegen“

Ich möchte mit TeKi TeKua das sein und verkörpern, was meine lokalen Künstlerfreunde aus der Musik-, Tanz- und Kunstszene für mich sind: sie inspirieren mich, stellen kritische Fragen, analysieren und geben Inputs. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit ihnen ist fundamental für mich, für TeKi TeKua. Natürlich sind die internationalen Kontakte nicht weniger von Bedeutung, auch sie inspirieren und motivieren.

Jedoch gilt mein Interesse und Respekt vor allem Denjenigen, die versuchen, etwas hier in der Schweiz zu bewegen. Die Chancen statt Hürden sehen, Potential statt Probleme und Mängel. „Keine Szene, zu tiefes Niveau, kein Markt, kein Potential, keine Unterstützung, kein Interesse etc. “ – schon so oft gehört, zu oft meiner Meinung nach. Ein negatives Gedankenmuster, das auch in anderen Kunstsparten verbreitet ist… extrem anstrengend, mühsam und nicht wirklich konstruktiv.

Lieber bewegen, statt reden. Sowohl im übertragenen als auch im wahrsten Sinn des Wortes.

Ich möchte diesen Text mit dem meiner Meinung nach nützlichsten und simpelsten Rat abschliessen, den ich je bekommen hab’ in all den Jahren des Tanzes. Er kam von Pascale während einer unserer nächtlichen „pillow talk sessions“, die wir meistens in Englisch oder Französisch führten:

„Don’t wait for the ideal conditions, because you will never have them…. that’s why it’s called ideal. If you wait and doubt what you want to do, you will kill most of your dreams before your actual failure ever will. So go on and just do it.“

Bericht von Eleonora TeKi TeKua
Website: www.teki-tekua.ch

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